BuchHerta Müller
Im Haarknoten wohnt eine Dame

208 Seiten inkl.vierfarbige Abb.
Bezogener Pappband, Blockbuch 
DM 58,-

3-498-04474-5 


Bärenstarkes Buch, das hol ich mir!
Wie in ihrem 1993 erschienenen Postkartensammlung «Der Wächter nimmt seinen Kamm» variiert Herta Müller auch in ihren neuen Text-Bild-Collagen ihre Themen auf spielerisch-virtuose Weise: Gewalt und Flucht, Entwurzelung und Sehnsucht nach Heimat.
«Im Federhaus wohnt ein Hahn / im Laubhaus die Allee / ein Hase wohnt im Fellhaus / im Wasserhaus ein See» - so leicht, surreal umgestülpt, beginnt der Text, dem Herta Müller den Titel ihres neuen Bandes entnimmt, einer Sammlung von etwa hundert Text- und Bildcollagen, die seit ihrer Arbeit an dem 1997 erschienenen Roman «Heute wär ich mir lieber nicht begegnet» entstanden. 

Die Bildcollagen - Gesichts- und Körperfragmente, Details aus dem Alltagsleben neben schwarzen Scherenschnittfigurinen - geben die Stimmung vor, die Texte sind aus einzelnen, aus Zeitungen und Illustrierten herausgeschnittenen Wörtern zusammengeklebt, Bruchstücke mit optischen Akzenten und sichtbaren Fugen, die sich wie Puzzleteile erst bei der Lektüre zu einem Gesamtbild fügen.
Neben den Themen von Bedrohung und Bedrängnis schlägt Herta Müller aber auch einen leichteren, unbeschwerteren Ton an: Sie spielt mit Reim und Assonanz, die die Texte bisweilen in die Nähe von Volkslied, Moritat und Bänkelsang stellen, humorvoll, aber auch makaber.
Anlässlich einer Ausstellung dieser Collagen in Sydney sagte der australische Autor David Malouf: «Die Gedichte erscheinen wie Lösegeldforderungen eines Erpressers oder die Bekenntnisse eines Serial killers, sie entlarven spielerisch und wollen zugleich ihre Spuren etwa von einer bestimmten Schreibmaschine oder einer Handschrift verwischen. Es ist die Art von Trick, zu der ein Autor Zuflucht nehmen muss an einem Ort, an dem jede Schreibmaschine registriert ist und an dem jede private, inoffizielle Sichtweise (prinzipiell) subversiv ist.»