Alissa Walser
Die kleinere Hälfte der Welt Erzählungen 96 Seiten inkl. Zeichnungen. Gebunden. DM 26,- 3-498-07346-X |
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Neue Prosastücke
von Alissa Walser: mal verstörend schroff, mal melancholisch und zart,
«Short Cuts im Wortsinn» Frankfurter Rundschau
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| Als die Mutter ihr die Gebrauchsanweisung gibt, ist
es schon lange passiert. Zehn Jahre später berichtet die Tochter ihrer
Mutter, wie sie ihre Unschuld verlor - an einem heißen Sommernachmittag,
vor den großen Ferien, die Mutter war in der Redaktion, der Vater
auf Reisen, und der Nachbar, der amerikanische Kammersänger Mr. Waterhouse,
wollte mit ihr, der damals Vierzehnjährigen, ein Lied einstudieren.
Dass «Wasserhäuschen», wie die beiden ihn liebevoll nannten,
auch der Liebhaber der Mutter ist, dass die Mutter einen ganzen Sommer
lang von ihrer Tochter betrogen wurde, das enthüllt diese ihr im Laufe
der Erzählung allmählich, voll grausamer Zärtlichkeit, und
genüsslich wirft sie einen gnadenlosen Blick zurück auf die banalen
Details dieses erwarteten Ereignisses: der Likörfleck auf dem Teppich,
die zwei Handtücher, die Haarsträhne über der Glatze ihres
ersten Liebhabers, das flache Schächtelchen in seiner Hand ...
Diese brillant erzählte Mutter-Tochter-Geschichte eröffnet
den neuen Band mit Erzählungen Alissa Walsers wie ein Pendant zur
Vater-Tochter-Geschichte «Geschenkt», für die sie 1992
den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt.
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